Hallo liebe Pokerfreunde,

nach einiger Zeit gebe ich mal wieder ein kleines Update in meinem Pokerblog…

Aktuell bin ich für ca. 3 Wochen in Las Vegas bei der World Series of Poker 2011.

Zur WSOP-Qualifikation
Immerhin konnte ich mich im Vorfeld bei Full Tilt online für das Main Event qualifizieren, aber mit Strategie vorgehen – so wie ich mir das im letzten Eintrag eigentlich vorgenommen hatte – war da nicht viel dieses Jahr. Wenn Ihr selber nach Möglichkeiten Ausschau gehalten hattet, wie man sich für das Main Event qualifizieren konnte, dann habt Ihr sicher selber festgestellt, dass es dieses Jahr alles anders und ziemlich „shot-mäßig“ ablief mit den Qualifiern. Die meisten waren „Winner-Takes-It-All“-Turniere mit 300-700$ Buy-In, es gab viel zu wenige, so dass man sie regulär hätte grinden können, und Full Tilt (und später Pokerstars mit seinen generellen „Passport“-Satellites) waren die einzigen, bei denen es auch mal 5 Tickets garantiert gab. Das einzig größere Qualifikations-Turnier war im iPoker-Netzwerk, hatte 30 Tickets garantiert und einen Overlay von fast 150.000$. Das habe ich gespielt, es aber leider nicht ins Geld geschafft.
Lange Rede, kurzer Sinn – die Sonntags-Qualifier bei Full Tilt hatten für mich die beste Struktur, ich hab mir jede Woche immer mal zwischendurch ein paar Turnierdollars dafür erspielt, und nach einigen Anläufen dann auch das 12.000$-Ticket geschossen. Glücklicherweise konnte ich das Geld von meinem Full Tilt Account runter ziehen, bevor die Seite (wie Ihr ja sicher mitbekommen habt) offline gegangen ist… 😉
In Las Vegas
Wer schon mal in Las Vegas war, weiß: Man kann diesen Ort nicht beschreiben, man muss ihn erlebt haben. Trotz der spürbar geringeren Promotion-Aktionen in diesem Jahr durch das Aus von Full Tilt, Pokerstars und UB in den USA ist die Stimmung bei der WSOP einfach gigantisch. Sobald man die großen Poker-Räume betritt – überall Chipgeklapper, Dealer-Ansagen, fluchende und jubelnde Spieler.
Auf dem Plan für mich und meinen mitreisenden guten Freund Ralf standen bzw. stehen in den 3 Wochen einige Deepstack „Extravaganza“-Turniere im Venetian Casino (340$ bis 1040$ Buy-In), und wir wollten ein paar Qualifier für das Main Event vor Ort spielen, die in der Regel 150-250 (meist schlechte) Spieler haben und z.T. bis zu 15 Tickets bezahlen (je nach Buy-In). Die Tickets kann man für 10.000$ verkaufen, was von der Auszahlungsstruktur und der Spielerstärke natürlich recht reizvoll ist. Außerdem stand bei der WSOP neben dem Main Event noch das Event #56 auf dem Plan, ein 1.500$ NL Hold’em-Turnier.
Der Trip ging mit einem schicken Erfolg los: Ralf konnte sich bei unserem zweiten 550$-Live-Qualifier bereits ebenfalls für das Main Event qualifizieren, so dass wir nun beide für das größte Turnier der Welt 2011 an den Start gehen konnten. Leider lief danach überhaupt nichts mehr in unsere Richtung. Weder Ralf noch ich konnte in einem der weiteren Turniere in die Geldränge vordringen – und das trotz der durchschnittlich wirklich sehr schwach spielenden Gegner an den Turniertischen… das frustriert!
Ihr möchtet wissen, wie schwach die Spieler hier sind? Oh mein Gott, es ist wirklich kaum zu beschreiben, wie hier einige Spieler spielen – mit Online-Poker ist das kaum zu vergleichen.
Ein Beispiel:
Wir sitzen in einem Qualifikations-Turnier für das WSOP Main Event im Rio mit 550$ Buy-In (immerhin doppelt so teuer wie das Sunday Million auf Pokerstars, also nicht gerade ein Freeroll, wo man Donkeys gewöhnt ist). Ein aggressiver Spieler in früher Position raist, ein recht tighter Spieler in mittlerer Position geht mit seinen verbleibenden 17 Big Blinds darüber All-In (hat also mind. TT, AQs und besser) und der Italiener, der im Big Blind sitzt, und seit ca. 1 Stunde keine Hand gespielt hat, flippt urplötzlich aus: „Always my big blind, always my big blind! I call!!!“ und knallt seine Karten auf den Tisch: Q5o. 😀 Ohne Worte!

Der erste Spieler foldet sein AQ, der andere zeigt JJ und schickt den Italiener nach Hause. Kurz danach wird ein ziemlich fülliger Ami an seinen Platz gesetzt, der erst nach einem Raise und einem All-In offen KK foldet (?), nur um danach nach 2 All-Ins mit 76o für all seine Chips zu callen (????). Ähm… ja. Und das ist hier absolut keine Seltenheit.
Zurück zu meinen Turnierergebnissen Mein 1.500$-WSOP-Turnier sollte leider nicht über das 3. Blindlevel hinaus gehen.
Wir beginnen mit einem Stack von 4500 in Chips, und Blinds von 25/25 (danach 25/50, 50/100, 100/200 usw.) und Blindzeiten von 60 Minuten pro Level. Mein Tisch war ziemlich schwach besetzt, und innerhalb der ersten drei Level konnte ich meinen Chipstapel von 4500 auf 14000 aufbauen, ohne großartig Showdowns gewinnen zu müssen. Dann kommt es zu folgender Hand:
Keyhand #1: Ein Spieler in früher Position erhöht auf 550 (Blinds 100/200), ich calle im Hijack mit KQ in Pik, der Button (der einzig andere aggressive Spieler am Tisch, ein Franzose) callt ebenfalls. Flop: K65 mit zwei Pik. Für mich ist das ein Monster-Flop, ich treffe Top Paar plus Flush Draw. Der urspüngliche Raiser checkt, und ich checke ebenfalls, da ich weiß, dass der aggressive Franzose in jedem Fall betten wird – um selber zu check-raisen. Genauso passiert es auch, der Franzose setzt 600, der erste Spieler foldet und ich check-raise auf 1700. Der Franzose callt, was mir nur zur Hälfte gefällt. Aufgrund der Stärke meiner Hand bin ich zu diesem Punkt bereit, alle Chips zu investieren, aber ich beende die Hand lieber hier, als mein Turnierleben zu riskieren. Wir sehen auf dem Turn eine Karo 10, die auf den ersten Blick erstmal nix verändert.
Ich biete nun klein (1200 in einen Pot von 5400), da die Zehn durchaus in seinem Spektrum an Händen sein kann, und ich den Pot nicht allzu sehr aufblähen möchte mit nur einem Paar. Er callt sehr schnell, was normalerweise Indikator für eine mittelstarke Hand mit Showdown-Potential oder einen Draw spricht. Auf dem River kommt die Herz 9. Dies Karte gefällt mir ebenfalls nicht, da ich nun sowohl von KT als auch K9 überholt wurde, und meinen Flush verpasst habe. Ich habe im Grunde nur noch einen Bluff-Catcher und entscheide mich dazu, zu checken und zu schauen, was der Franzose macht. Diese bettet nun ziemlich schnell 4600 in den Pot von 7800 und ich gehe seine möglichen Hände durch. Der schnelle Call am Turn ergibt für mich keinen Sinn mit KT, mit QJ für die fertige Straße hätte er meinen Check-Raise am Flop sicher nicht bezahlt – außer mit QJ in Pik vielleicht. Da er vorher schon mehrfach mit Bluffs und komischen Spielzügen erwischt wurde am Tisch, entscheide ich mit für den Call und er zeigt TT für das geturnte Set – er hat also seinen 2-Outer am Turn getroffen, nachdem er fragwürdig am Flop gecallt hat. Gut, ich wäre am Flop mit meiner Hand broke gegangen, und habe danach noch 4500 in Chips – den Startstack also.
Keyhand #2: Nach ein paar Ups und Downs kämpfe ich mich auf ca. 8000 Chips zurück, und dann kommt es zur vorletzten Hand für mich: Der Button raist auf 525, nachdem alle zu ihm gefoldet haben, und ich reraise auf 1500 mit 55, Blinds immer noch bei 100/200. Ich habe ca. 300 Chips mehr als er, und er callt mein Reraise. Auf dem Flop erscheint 589 mit zwei Karo, ich treffe also mein Set. Ich checke, er bettet 1400, und ich check-raise All-in, um meine Hand gegen den Flush zu schützen und Auszahlung von Paaren zu bekommen. Er callt sofort und zeigt tatsächlich 67s für die einzig mögliche Straight. Ebenfalls ein mehr als fragwürdiger Call nach meinem Reraise vor dem Flop bei seinem Chipstack, aber es kommt eben der Traumflop für ihn. Ich verpasse mein Full House, und bin so gut wie ausgeschieden.
In der letzten Hand geht mein letztes Geld dann mit QJo in die Mitte, ich laufe in KK, treffe immerhin ein Full House auf einem Board QJ2KQ, aber er macht eben das bessere Full House und schickt mich an die „Rails“. Über den Call mit KQ auf dem River kann man sicher nachdenken, aber speziell gegen diesen Spieler und seine History am Tisch war das kaum foldbar aus meiner Sicht.
Bilanz nach 9 Tagen: Immerhin läuft es im Cashgame einigermaßen gut, so dass ich ein paar der Turnier-Buy-Ins wieder zurück verdienen konnte, aber aktuell fallen die Brötchen leider noch häufiger auf die Marmeladenseite als nicht. Aber es stehen ja noch einige Turniere auf dem Programm, so dass es noch den einen oder anderen Pot zu holen gibt. 😉
Alles Gute,
Euer Eike