Hallo liebe Pokerfreunde,

wie Ihr vielleicht per Twitter aus den Spielpausen gesehen habt, habe ich es leider nicht weiter als bis Tag 2 geschafft beim Grand Finale der Spanish Poker Tour in Lloret de Mar. Am Wochenende bin ich dann nicht mehr dazu gekommen, aus Spanien die Zusammenfassung zu posten. Heute bin ich nun wieder in good old Germany und finde jetzt auch die Ruhe, einen Blogeintrag zum Turnier zu verfassen… :-)

Zu allererst schildere ich mal, wie es an Tag 2 des Main Events weiter ging: Ich war ja recht froh darüber, dass der doch ziemlich schwierige Tisch von Tag 1 aufgelöst wurde, und mit 25 BB ging es in den zweiten Tag. Leider war der neue Tisch nicht wirklich wesentlich besser, es saßen fast nur starke Spieler am Tisch mit vielleicht 1-2 Ausnahmen.

Da ich aber mit keinem der Spieler bisher gespielt hatte, konnte ich die Vorsichtigkeit und das Abtasten der ersten Runden erfolgreich ausnutzen, und diverse Male die Blinds klauen, ohne tatsächlich irgendwelche spielbaren Hände zu bekommen. Überhaupt war ich in dieser Woche in den Turnieren unglaublich „kartentot“, sprich: ich bekam wirklich selten richtig gute Karten in den verschiedenen Phasen, aber das mal nur als Randnotiz.

Nachdem ich meinen Stack von anfangs ca. 25.000 auf 40.000 aufbauen konnte, ohne in einen Showdown zu müssen, machte ich schließlich einen Move zu falschen Zeit gegen den falschen Gegner, der mich wahrscheinlich das Turnier gekostet hat:
Da wir noch nicht sonderlich viele Hände gespielt hatten, waren meine Informationen über die Gegner am Tisch natürlich noch recht dürftig. Der Spieler zu meine rechten – ein Spanier glaube ich – machte auf mich einen eher schwachen Eindruck. Als er zum zweiten Mal in Folge am Button raist, nachdem alle zu ihm gefoldet hatten, war mir recht sicher, dass er hier nur die Blinds stehlen möchte und somit reraise ich diesmal aus dem Small Blind mit T2s. Meine Hand war zu dem Zeitpunkt ziemlich irrelevant, ich war mir sicher, dass spätestens meine Continuation Bet die Hand beenden würde, wenn er vor dem Flop nicht foldet.

Er callt meinen Reraise und wir sehen zu zweit den Flop J26 mit zwei Kreuz. Ich treffe das untere Paar, bette ca. 1/2 Pot und er callt erneut. Zu diesem Zeitpunkt setze ich ihn auf ein kleines Paar oder den Buben und vielleicht auch auf zwei Kreuz. Auf dem Turn kommt nun der zweite Bube, der auch das zweite Karo auf das Board bringt und wir beide checken. Der Karo Bube ist interessant, weil er einen Buben bei meinem Gegner unwahrscheinlicher macht, und mir zusätzliche Bluff-Outs liefert, wenn mein Gegner tatsächlich ein kleines Paar hält. Ich nehme mir vor, jede gefährliche Karte auf dem River zu bluffen, um ihn von seinem wahrscheinlichen Pocketpaar zu lösen. Nun kommt auf dem River die perfekte Bluff-Karte: das Karo Ass – nicht nur ist der Karo Flush angekommen, vor dem viele Spieler Angst haben mit marginalen Händen, auch das unangenehme Ass ist erschienen (die ultimative Scarecard) und der Kreuz Flush hat verpasst.

Ich bette also wie geplant ca. 3/4 des Pots, und erwarte eigentlich, dass mein vermeintlich schwacher Gegner 80% seiner Hände folden wird. Leider enttäuscht er mich, und raist stattdessen, was mir sagt, dass er mindestens den Buben hat, wenn nicht sogar das Full House mit AJ. Ich kann natürlich nicht callen, und lasse in dieser Hand leider ordentlich Federn. :-/
Später stelle ich dann beim Beobachten des Turniers fest, dass der Gegner doch ziemlich tight spielt und selten die Blinds klaut, so dass ich wirklich ein schlechtes Timing hatte in der Hand.

Bei Blinds von 1000/2000 und 100er Ante habe ich nach dieser Hand also noch 20.200 in Chips, und stehe so langsam unter Druck. Direkt in der nächsten Hand finde ich A3s im Button. Alle folden zu mir, ich pushe natürlich All-In, die Blinds folden und ich sammle die 4800 Chips in der Mitte ein. In der darauffolgenden Hand folden wieder alle zu mir und ich finde A8o. Mit nun exakt 25.000 in Chips habe ich noch 12 BB bzw. 7,8 BB effektiv (wenn man die Ante einrechnet, sind die Blinds wie 1600/3200 ohne Antes) oder einen sog. „M“ von 5,2.
Im Cutoff bei diesen Blinds ist A8o ganz genau die Grenzhand für einen Push, A7o ist ein Fold und A8s oder A9o ein klarer Push – A8o ist also grenzwertig. Ich entscheide mich für den Push, laufe in AK und fliege aus dem Turnier. gg me. :-/

Im Nachhinein betrachtet hätte ich den Move sicherlich lassen können, speziell nachdem ich gesehen habe, dass mein Gegner wohl einfach zwei Mal hintereinander am Button eine gute Hand zu haben schien, aber wenn man ein solches Turnier gewinnen möchte, kann man eben nicht nur auf AA, KK oder QQ warten (dann hätte ich in dem Turnier bis dahin auch übrigens keine einzige Hand gespielt 😉 ).

In den darauffolgenden Tagen liefen dann noch zwei Side Events (300 € und 500 €) und ein Fun Event (165 € mit 50 € Bounty), die aber alle mit so wenigen Teilnehmern besetzt waren, dass sich das Live-Reporting kaum gelohnt hat (leider).
Außer einem 6. Platz im 500er Turnier bei lediglich 22 Teilnehmen, für den es kein Geld gab, gibt es auch nicht mehr viel zu berichten aus Lloret de Mar. Ich konnte leider in keinem Turnier cashen, bin im 500er mit QQ vs KK gebustet, im Fun Event mit KK auf einem A72AA Board mit dem Nut Full House gegen Quads durch A6 und im 300er mit einem Coinflip KQ vs 55 ausgeschieden. Not much you can do…

Beim Cashgame lief es ok, aber insgesamt kann ich zusammenfassen: außer Spesen nix gewesen. Live-Poker ist eben etwas langatmiger als Online-Poker. 😉

Abschließend möchte ich aber noch eines lobend erwähnen: es hat mir bei diesem Event wieder (!) extrem viel Spaß gemacht, mit dem Team von Everest (Mitarbeiter als auch Spieler) die Woche zu verbringen. Everest ist zwar ein kleiner Pokerraum, aber es wird sich wirklich toll um alle(s) gekümmert und bemüht, und die Leute waren auch bei diesem Event wieder supernett und angenehm – ähnlich wie in Valencia bei meinem ersten Stop der SPT.

Ich überlege, ob ich evtl. noch am 8.12. zum letzen Everest-Event dieses Jahres fahre, dem 3LT Finale in Wien. Das ist ein 2200€ Event mit 500.000€ garantiert, was natürlich auch äußerst reizvoll ist. :-)

Bis dahin kümmere ich mich weiter um meinen Umzug mit meiner Wohnung.
Also dann bis zum nächsten Blogeintrag, und cu @ the tables!

Euer Eike